Natürlich nicht

Eigentlich möchte ich jetzt sterben.
Heute noch. Jetzt. Sofort.
Nein, ich bin nicht suizidal.
Ich möchte eines natürlichen Todes sterben.
Jetzt gleich.
Es kann nicht mehr besser werden, als es im Moment ist.
Ich bin die glücklichste Glückliche.
Also wofür weitermachen?
Denn ich höre schon die Schritte.
Tap, tap, .... tap.
Und ich weiß, es ist der Abschied.
Er kommt leise und langsam, aber ich höre ihn.
Der Grund ist nicht die Auszeit, die Pause,
dein Zurückgehen.
Das kenn ich auch und ich brauche es auch, wie du.
Der Grund ist vielmehr, es liegt eine Last auf uns,
auf dir mehr als auf mir.
Meine ist mein Alter, eine Zahl,
eine schreckliche, stigmatisierende Zahl,
die ich irgendwie zu ignorieren versuche.
Aber es gelingt natürlich nicht.
Sie ist vorhanden und sie fordert ihr Recht.
Deine Last ist deine Sache.
Du willst sie nicht teilen mit mir
und ich belasse es dabei.
Und so wird es enden.
Ich werde wieder in mein früheres Leben rutschen,
werde versuchen, das Glück unserer Tage
zu konservieren und es wird natürlich nicht gelingen.
Stell dir vor,
mein Gehirn schaltet jetzt ab, zack, aus.
Man findet mich vor laufendem Monitor,
einen unveröffentlichten blogpost vor mir,
der meinen staunenden Hinterbliebenen
den Mund ratlos offen stehen lässt.
Ach, wär das nett.
Ich würde mich köstlich amüsieren.
Fast so köstlich, wie mit dir.
Lieber Liebster, köstlich war unsere Zeit.
Wundervoll.
Ich habe dich sehr geliebt.

Liebes blog

du kennst mich ja nun schon lange.
Hast mir über viele Jahre durch alle Patschen geholfen,
hab bei dir geweint und gelacht,
hast mir bei Tag und bei Nacht zugehört.
Bist auch nur ein klein wenig nervig
mit deinem ewigen neu einloggen.
Aber davon schreib ich jetzt nichts.
Sondern davon, dass es halbfünf morgens ist
und ich nicht schlafen mag,
weil mein Leben grad so toll ist.
Weil ich, du weißt es ja, sonst niemand habe,
den ich jetzt anrufen könnte und sagen:
"Schlaf bitte schnell weiter, es ist nichts.
Ich bin bloß grad sehr glücklich."
Und mehr will ich auch dir im Moment nicht sagen,
bloss "Ich bin grad sehr glücklich."
(und grins nicht so!) :))))

Dekompression

Seit 3 Jahren tauche ich auf
aus Dauererschöpfung, Depression,
Überforderung, Trauer, chronischer Müdigkeit
und dem Verlust jeder Lebensfreude,
die ganze Litanei rauf und runter.
Natürlich mit kleinen Lichtblickphasen zwischendurch,
natürlich mit Rückfällen.
Langsam, wie in der Dekompression,
steige ich aus dem kalten Dunkel nach oben.
Ich kann schon das Licht sehen,
das Wasser ist schon warm, ich kann meinen Kopf
fast schon wieder aus dem Wasser strecken.
Und atmen. Und weiterleben.
Aber nicht mehr alleine.
Das ist mein letztes einsames Jahr.
Soviel ist sicher.
Die Wohnung ist noch nicht gefunden.
Der Mann auch nicht.
Aber der Plan steht.
Next year. Next year.

Silent

Schwierig gerade.
Sehr schwierig.
Es ist nicht Trauer. Ich trauere nicht.
Nicht bewusst.
Ich vermisse ihn nicht.
Ich war nach seinem unerwarteten Tod
nur einen kurzen Moment betroffen.
Wir hatten nicht Abschied genommen,
ich war wochenlang nicht bei ihm gewesen,
weil ich mich einfach nicht erholen konnte.
Und dann war er plötzlich tot.
Ich habe alles in seinem Sinn erledigt.
Es hätte ihm gefallen.
Und nun ist alles vorüber und ich schweige.
Ich bin nicht traurig.
Ich bin auch nicht erleichtert.
Ich habe nur Schwierigkeiten, zu sprechen.
Vielleicht musste ich in den vergangenen Jahren
zu viel argumentieren, intervenieren, kämpfen.
Jetzt bin ich vollständig wortleer.
Ich bedauere es nicht.
Mir fehlt nichts.
Ich bin vielleicht in meinen stillen Jahren angekommen.

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