twitter is down.
und jetzt ?
soll ich wieder zurück zu den Hühnern oder was ?
Also so gehts gar nicht !
Ich muss doch schreiben, dass ich die Lösung gegen die grauenhafte Saisonbeleuchtung überall an Balkonen und in Bäumen, in Fenstern und auf Dächern, einfach überall, wo man hinsieht, gefunden habe.
Der Preis für Privatstromabnehmer muss von 1. November bis 31. März jeden Jahres in der Zeit von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens um den Faktor 10.000 erhöht werden und dann, man würde es gar nicht mehr wissen, wie es ohne den Kitsch wäre, sähe man erst wieder, wie wunderbar schwarz die Nacht eigentlich ist.
scarbo - 2009.11.30, 22:25
"Ich habe den Eindruck, es läuft nicht besonders gut.
Wir sollten einen festen Termin vereinbaren, wo Sie sich mit Frau [Nachfolgerin] über Probleme austauschen".
Äh wie ?
Bin ich raus oder ja ?
Ist sie lange und gründlichst eingearbeitet worden ?
(Sie hat gleich am ersten Tag das Bankprogramm eingestampft und am 3. den ganzen Account)
Ja und ?
Ist es mein Problem oder ihres ? oder Cheffes ?
Oder bin ich vom Mond ?
Oder die ?
scarbo - 2009.11.30, 22:10
Ich bin kein Gamer. Nie gewesen. Kein Interesse an Warcraft und Konsorten. Mir alles zu doof.
Und dann das.
Auf der Suche nach einem Zeitfresser auf ein Farmspiel gestoßen.
Rurales spricht mich an.
Ein Acker. Und Getreidesaat.
Aber erst Unkraut raus und dann die Steine.
Und dann säen. Und zugucken, wie es wächst.
Erzeugen. Und ernten.
Und dann verkaufen. Geld haben.
Und einen Hühnerstall mit 2 Hühnern.
Und jetzt die Preise kalkulieren.
Und eine Tabelle anlegen, die genau den Ertrag pro Minute pro Feld berechnet, damit man nicht mit den Radieschen sinnlos Zeit und Ressourcen verschwendet und dann entdecken, dass unter manchen Steinen im Acker Münzen vergraben sind und schnell Getreide nachsäen, damit mehr Geld reinkommt und man die Steine rauskaufen kann und die Münzen findet und im Hühnerstall sind die nächsten Eier fertig und wenn man mit Mais füttert, brauchen sie nur die halbe Zeit zum Legen, und gegen Mittag sind die Eierpreise am höchsten, also abwarten und lieber schnell noch Gurken ...
Keine Zeit mehr für twitter oder sonstwas.
Den Müll runterbringen kann man am besten nach der Zwiebelaussaat, einkaufen geht nur, während die Tomaten reifen und der Mais ist sowieso schon auf Vorrat produziert.
Am dritten Tag bin ich auf Level 9 und habe knapp 180.000 Punkte, besitze 2 Hühnerställe mit 10 Hühnern und produziere selektiv zeit- und ertragsoptimiert, wie es sich für einen perfektionistischen Controller gehört.
Dann der Knacks. Ich lese, wohin mich die Level schließlich bringen.
In einen Bauernclub, wo ich beim "CC" (Clubchef, ach wie öde) um Aufnahme anfragen muss. Wo schon andere Farmjunkies sind und wir "Quests" absolvieren müssen und ich mich also insgesamt sozialisieren soll.
Oh. Das mag ich nicht so gern.
Die Namen der Mitbewerber auf den virtuellen Marktständen sind mir ohnehin suspekt. "HeißeSumse", "Stute6" und sowas.
Nie und nimmer !
Meine Begeisterung fällt von 100 auf Null.
Zeitgleich zerschießt es mir die halbe Tastatur. Sehr sonderbar.
Nie vorher sowas gehabt oder gehört.
Und dann fang ich an zu reflektieren.
Wie haben diese verdammten Kretins mich soweit bringen können ?
3 Tage Rausch.
Was wäre, wenn dieses Spiel eigentlich eine Art Rekrutierungscamp ist ? Perfide angelegt für zielverbissene Typen.
Ich habe eine Idee für eine Geschichte, die damit beginnt, dass aus einer Gruppe ahnungsloser, aber ehrgeiziger Spieler mit viel Tagesfreizeit die besten 10 jeden Monats genauer unter die Lupe genommen werden, indem man ihnen zunächst mal ein kleines "Präsent" ins System pflanzt.
Der shootingstar im November ist "pokus".
to be continued ...
scarbo - 2009.11.26, 11:01
bis irgendwann
scarbo - 2009.11.06, 17:44
gestern zdf-bericht über messies. ein freiberufler, eine akademikerin, völlig 'normale' leute eigentlich, leben in vermüllten wohnungen. die krankheit, vor jahrzehnten unbekannt oder verheimlicht, hat inzwischen etwas vom tabu verloren, die bilder machen dennoch ratlos. heilung ist möglich, aber selten und kaum dauerhaft, denn das innere chaos der betroffenen verlangt ein entsprechendes äußeres. erstaunlicherweise sind diese menschen gepflegt und gut angezogen und haben ihre berufliche umgebung im griff. der zwang zur ordnung ist dort zu beherrschend. der wunsch, am sozialen leben, einer beziehung oder dem berufsleben durch angepasstes verhalten teilnehmen zu können, erzeugt jedoch einen so großen leidensdruck, dass nach und nach immer mehr aufgegeben wird und sie sich völlig zurückziehen. dabei sind sie nicht un-, sondern im gegenteil überstrukturiert und damit völlig überfordert, die selbst gestellten anforderungen an ordnung erfüllen zu können.
mir kommt das alles wohlbekannt vor. meine angst vor unordnung ist eigentlich das gleiche, nur andersrum. ich bin ständig auf der hut, dass mich das chaos nicht überrollt. unaufhörlich wälzt sich eine unüberschaubare lawine an gegenständen, papier, geschirr, abfall, kleidung, wäsche und schmutz durch mein leben, zusätzlich zur früher absolut gesetzten priorität des berufslebens. die dort zwingend notwendige und geforderte 'ordnung' hat mich nach jahrzehnten völlig ausgebrannt und die selbst auferlegte perfektion mir schließlich den job unerträglich gemacht. in meiner wohnung gibt mir der verordnete minimalismus die nötige sicherheit. beziehung und vertrauen, fehlanzeige.
lieber uv, das hätten wir uns damals, als du mir verschämt deinen 'makel' gebeichtet hast, auch nicht träumen lassen.
Bestimmt lachst du jetzt sehr. Ich denk an dich und umarm dich. Deine messie-nur anders-H.
scarbo - 2009.11.04, 23:17
sehr zögerlich versuche ich rhythmus und struktur für die neue situation zu finden. noch habe ich das gefühl, als wäre ich im urlaub. noch versuche ich abzuschalten, nicht mehr an den job zu denken. erholungsmodus.
dann fällt mir ein, nicht nötig. ob jetzt oder später ist egal. jetzt oder später ist ab jetzt dasselbe, die auszeit ist dauerhaft. eine unbekannte dimension in einem neu entstandenen raum-zeit-kontinuum, eine diffuse menge an chaotisch ungeordneter rohzeit, die sinnvoll in 'gutes leben' verstoffwechselt werden muss.
ich beginne mit dem einfachsten: schrank ausgeräumt, um 10 cm verschoben, wieder eingeräumt, dabei 3 tüten für die kleidersammlung gefüllt, in den vergrößerten zwischenraum zwischen schrank und bett den neu bezogenen Poäng geschoben. ordnung.
morgen balkon.
(ich werde mich schon daran gewöhnen. bestimmt)
scarbo - 2009.11.04, 22:15
gut, dass ich ihr gestern nichts gemailt und zurückgeschickt habe, wäre sicher ein vorwurfsvoller text und eine vermutlich zu harsche wortwahl geworden.
das mach ich nicht mehr. das ist vorbei.
mich geht das alles nichts mehr an.
ab jetzt nur noch friede, freude, gelassenheit.
schreibe ihr nur kurz, dass mir bei der durchsicht der ersten datei viel falsches und fehlendes aufgefallen ist und es sehr zeitaufwändig sein wird, das alles durchzuarbeiten. wegen meines urlaubs kann ich mich vorerst nicht damit beschäftigen und wie das überhaupt geregelt werden soll, vor allem finanziell, das soll sie bitte mit dem chef klären (und damit ist die sache natürlich sofort vom tisch).
ach wie angenehm ist dieses loslassen.
es tut auch gar nicht weh, sondern im gegenteil, eine schwere last löst sich langsam in luft auf.
ein herrliches gefühl.
scarbo - 2009.11.01, 16:05
von wegen over.
heute hat sie mir den script-entwurf gemailt.
bzw. 5 einzelne dateien.
was soll das denn und wer setzt die zusammen ?
schon mal darüber nachgedacht ?
überhaupt vorab mal nachgedacht ?
struktur fehlanzeige.
eine Datei "FiBu" geöffnet.
ogottogottogottohgottogottogottogott.
nun stunden mit der korrektur verbracht.
mit ergänzungen.
mit richtigstellungen.
"die TAN-bogen werden in die Schublade gelegt"
LISTEN sind das, Mädchen !
und in die Schublade wird gar nix gelegt, schon gar keine TAN-Listen.
dazwischen solcher unsinn: "den Kalender des Chefs anschauen, ob er Termine hat".
ich bin jetzt so wütend !
was rödel ich mich monatelang ab und dann schreibt diese dumme nuss so einen stuss zusammen, unglaublich.
und ich soll den mist jetzt durchackern ?
das ist doch nicht zu fassen.
das ist doch nicht zu fassen !!!
scarbo - 2009.10.31, 17:54
gestern letzter tag.
das übliche schneckentempo der nachfolgerin ignoriert
und normales arbeitstempo angeschlagen.
gejammer.
ignoriert. durchgezogen bis 12 uhr.
dann den posten als übergeben erklärt.
viel erfolg, alles gute.
minialpenveilchen für mich.
ende und over.
...
dass sie allein am letzten tag 3 dateien gecrasht hat, dass sie sich nicht an den namen unserer berufsgenossenschaft erinnert, dass sie mich am letzten tag fragt, was das denn für ein betrag in der lohnmeldung wäre, dass sie seit wochen nichts mehr nachhaltig aufnimmt, dass sie am telefon zu endlosgequatsche neigt, dass sie eine verheerende orthografie hat ("Angaschmant" "aktualliesiert"), dass sie jedesmal, wenn sie etwas nicht weiß, obwohl sie es längst wissen müsste, den finger in den mund steckt, usw. usf.
kurz, dass wir vermutlich noch weitere 2 Monate mit diesem Irrsinn verbringen könnten, ohne dass sich wesentliches ändert, das macht mich fix und fertig.
total ausgebrannt und völlig erschöpft.
zudem enttäuscht und gekränkt.
vom chef kein Wort zum abschied.
dabei war ich immerhin 6 jahre seine personalchefin und hab ihm ständig die kastanien aus dem feuer geholt, mehr als einmal seinen arsch gerettet und ihn nie bloßgestellt, ob seiner ahnungslosigkeit im personalbereich.
abhaken.
runterkommen.
loslassen.
ruhe finden.
dann nachdenken, wie mein leben weitergehen soll.
scarbo - 2009.10.31, 10:19
Sie sind schon alle im Raum nebenan. Ich höre, wie sie reden, sich unterhalten, lachen. Ich kann mich nicht entschließen, rüber zu gehen. Schließlich überwinde ich mich. Auf dem niedrigen Sofa mit dem weiten Überwurf sitzen sie und auf dem Sessel daneben und auf jeder Armlehne noch einer. Ich kenne jeden. Auf dem niedrigen Tischchen stehen Teetassen. Denn er trinkt nur Tee und wer ihn besucht, auch.
Er sitzt in der Mitte und ist der Mittelpunkt, obwohl er nichts dazu tut. Weder ist seine Stimme lauter, als die der anderen, noch sein Gebahren.
Ich sehe seine langen, gepflegten, glänzenden, schwarzen Haare, die so mädchenhaft gelockt sind. Die wundervollsten Männerhaare, die ich je gesehen habe. Sein Gesicht ist unverändert schön, so wie ich ihn in Erinnerung hatte. Als ich im Türrahmen stehe, wendet er mir sein Gesicht zu und lächelt mich an. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Alle Plätze sind besetzt, nur auf dem Teppich ist noch Platz. Aber weil ich fürchte, auf Knien oder in der Hocke undekorativ auszusehen, mit breitgequetschten Oberschenkeln, in front of him and all the others, gehe ich zurück in die Küche. Nach kurzer Zeit kommt Jake zu mir. Wir sehen uns lange an und schweigen. Kein Wort ist nötig. Dann sagt er mit weicher Stimme: "Schwierig für dich, hm ?" Ich nicke und senke meinen Blick. Er beugt sich über den Tisch, der zwischen uns steht und küsst mich zart und liebevoll auf die Wange. Das rührt mich so an, dass ich mit Tränen in den Augen aufwache.
scarbo - 2009.10.24, 09:22
Manchmal, ohne Grund, jedenfalls kann ich keinen nennen, spalte ich mich. Jetzt gerade wieder. Ich liege flach und starr seit Stunden auf dem Sofa und meine eine Hälfte friert, weil ich nachmittags, beim Nachhause kommen, das Fenster zum Lüften geöffnet habe, hat Hunger, möchte sich aufrichten, aufstehen, jedenfalls sich bewegen. Aber die andere Hälfte ist dazu nicht im Stand und einen Willen gibt es nicht mehr. Es beginnt unbemerkt, nachdem ich 4 oder 5 Stunden im internet unterwegs bin. Plötzlich fühle ich die Starre wie eine Lähmung im ganzen Körper. Ich kann keinen Muskel mehr bewegen. Ich müsste sofort das Laptop zur Seite legen, mich aufsetzen, ein paar Schritte gehen. Jedoch erinnere ich mich nur noch ungenau an diese Bewegungsabläufe. Bin auch überzeugt, dass mir die Kraft dafür fehlt. Da ich mich jedoch nicht unwohl fühle, sondern im Gegenteil irgendwie angenehm wattig, ja sogar diffus wohlig, fange ich an, Solitär zu spielen. Auf meine sehr schnelle, sehr spezielle Weise. Herzkönig zuletzt außen. Alles andere gilt nicht. Immer wieder. Dutzende Male. Es regt mich ziemlich auf, weil ich sehr schnell durch die Kartenstapel klicke und durch die geistige Anstrengung bei völliger körperlicher Erstarrung der Stress hoch ist. Dann fällt mir ein, dass ich morgen noch einmal arbeiten muss. Es ist noch gar nicht Wochenende. Ich muss noch einen weiteren Tag funktionieren. Mein Herz fängt an, wild zu schlagen. Das ist meine Chance.
scarbo - 2009.10.15, 22:28