Lese die Buchempfehlung der
Kaltmamsell
und merke nach ein paar Zeilen schon,
dass ich die Geschichte unter anderem Titel kenne.
"The Bone People" heißt auf deutsch "Unter dem Tagmond".
Ich las das Buch vor ungefähr 10 Jahren und erinnere mich sehr gut.
Wenn es kein Kino und kein Theaterstück gab, das uns reizte,
dann trafen wir uns am Wochenende bei ihr im Haus
oder wir gingen essen in ihr Lieblingslokal.
Wir bekamen meist unseren Lieblingstisch, bestellten und warteten dann gegenseitig, was für Themen uns an diesem Abend erwähnenswert schienen.
Sie zündete sich eine Zigarette an (zu dieser Zeit durfte man noch
in Lokalen rauchen) und sah mich aufmerksam an.
Da ich mindestens eine 80-Stunden-Woche hinter mir hatte,
wusste ich nicht mal über die aktuellen Themen Bescheid.
Politik und Wirtschaft waren nebensächlich und den Rest ließ ich mir
von ihr erzählen.
An einem solchen Lokalabend saßen wir uns gegenüber und fühlten uns wohl.
Ihre Proben liefen gut, das Theaterstück war gut gewählt, die Schauspieler hatten Spass daran und mit der Ausstattung war sie zufrieden.
Ich war nicht zu sehr von der Arbeitswoche erschöpft, so dass ich für sie keine Aufmerksamkeit mehr aufgebracht hätte, sondern auf eine angenehme Art, die mich die Flecken auf dem Tischtuch ignorieren ließ und mir die Welt im Großen und Ganzen schnurz war.
Die Musik war gut und leise.
Sie sah mich an, merkte, dass ich wenig Lust hatte, über komplizierte Kollegen, Konflikte oder Schwierigkeiten zu sprechen.
Heute abend nicht.
"Gibts erfreuliches?"
Sie griff in ihre Filztasche, eine große, quaderförmige graue Tasche,
die mir jedoch sehr gefiel, weil sie diese schlichte, minimalistische Optik hatte, die ich so liebte und holte ein Buch heraus, schob es mir so hin, dass ich gleich den Titel lesen konnte und sagte: "Für dich."
Da ich als PC-Freak außern Büchern wenig brauchen konnte, war ich skeptisch, denn Romane waren mir normalerweise zu seicht.
Sehr selten, dass mir ein Buch wirklich gefiel oder mich gar begeisterte.
"Unter dem Tagmond" von Keri Hulme, las ich.
"Danke", sagte ich, "aber du sollst mir nichts schenken."
"Neuseeland", sagte sie. "Gefällt dir".
Sie war nach ihrem Studium in Neuseeland gewesen und hatte mir oft erzählt, wie sie einfach losgefahren war, ohne Ahnung, was sie erwartete.
Lebte monatelang in einem Camper, betreute handicapped kids und
verliebte sich. Auch in das Land.
Ich las das Buch in den folgenden Nächten und war sonderbar berührt
und hineingezogen in die Atmosphäre der Geschichte.
Es steht noch immer in meinem Bücherregal.
Nicht bei den alltime favourites, aber gleich daneben.
Danke Freundin.
Für alles und dieses.